Tagebucheinträge

22 Jugendliche – 8 aus Polen, 8 aus der Ukraine und 7 aus Deutschland – reisen zum Thema Menschenrechte nach Polen. In Oswiecim/Ausschwitz entstehen viele Eindrücke, die unsere Jugendliche in Tagebucheinträgen festhalten. In diesen schildern sie ihre Gedanken über ihre Erlebnisse und Begegnungen während der 1-wöchigen Exkursion vom 22.-29.07.2017 in Polen.

"Licht in der Dunkelheit" ist ein Kooperationsprojekt der IG Metall Wolfsburg, dem Tanzenden Theater Wolfsburg und der internationalen Jugendbegegnungsstätte Oswiciem.


Liebes Tagebuch,

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Samstag, 22.07.17

Nach einer mehr oder weniger erholsamen Nacht, frühstückten wir gemeinsam in der Mensa der Jugendherberge. Um viertel nach zehn machten wir eine kleine Besichtigung der Stadt Oswiecim/Auschwitz. Zurück in der Jugendherberge abgekommen, warteten wir auf die polnischen und ukrainischen ProjektteilnehmerInnen. Einen ersten Eindruck voneinander verschafften wir uns bereits beim gemeinsamen Mittagessen. Um 14 Uhr trafen sich alle in einem Seminarraum. Mit kleinen Spielen lernten wir uns schnell kennen. Ebenfalls begannen wir mit der Einführung in die Themen unseres Projektes. Nachdem Abendessen trafen wir uns draußen, wärmten wir uns gemeinsam auf und führten eine Improvisationsübung durch. Im Anschluss an das Trainingsende, schwelgten wir beim Tanzen von älteren Choreografien des TTWs in alten Erinnerungen. Noch einmal ein großes Dankeschön, dass wir diese Erfahrung machen durften!

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Sonntag, 23.07.17

Heute haben wir das Konzentrationslager in Auschwitz besucht, genauer gesagt das Stammlager. Für die meisten aus unserer Gruppe war es der erste Kontakt mit einer Gedenkstätte. Für mich auch. Unsere Führung dauerte 4 Stunden. Marta war unser Guide. Die Führung war unglaublich emotional und nah an der Vergangenheit, dadurch dass der Ort eigentlich unverändert geblieben ist. Die Massen an Menschen die sich dort aufgehalten haben und die dort umgekommen sind kann man sich nicht vorstellen. Der einzige Moment in dem es einem am bewusstesten war, war ein Raum voller Haare. Es waren zwei Tonnen Haare, die man sah. Das zu sehen, war der schlimmste Moment in den 4 Stunden. Ansonsten war die Führung total interessant. Es war wichtig, dass wir das Lager besuchten. Für mich persönlich, ist durch den Besuch die ganze Geschichte "lebendiger" bzw. realer geworden. Nach dem Mittagessen hatten wir einen Workshop zum Thema Menschenrechte in dem wir Plakate interpretierten. Das Dolmetschen in alle 3 Sprachen war teilweise sehr anstrengend, aber man kam durch die Gruppenarbeit zum ersten Mal mehr in Kontakt mit den anderen Nationen. Am Abend haben wir zusammen gesessen und ganz viel Spaß gehabt, auch mit Ana!

Von Magdalena

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Ein Raum mit über zwei Tonnen Haaren.

Montag, 24.07.2017

Nach dem Frühstück haben wir als erstes über den Besuch im KZ gesprochen und erzählt, was uns dabei durch den Kopf gegangen ist und was uns bewegt hat. Danach hatten wir einen Workshop zum Thema Kunst in Auschwitz. Der war wirklich sehr interessant! Der Raum in dem es stattfand, war in drei Teile unterteilt. Eine Wand war mit Bildern der SS-Offiziere, die auch teilweise illegal gemalt haben, bestückt. Eine weitere Wand war mit legaler Kunst der Offiziere, also auch mit Bildern, die eine falsche Wirklichkeit darstellten, beklebt. Der Rest des Raums war gefüllt mit Skizzen und sonstigen Bildern von den Häftlingen. Das war sehr interessant und ausdrucksstark. Die Häftlinge malten illegal und mussten sich deshalb Tricks einfallen lassen die Bilder zu verstecken. So klebten einige der Häftlinge sich die Skizzen, die sie auf Zigarettenpapier anfertigten, unter ein Pflaster unter dem Arm.

Von Magdalena

Dienstag, 25.07.2017

Heute haben wir uns in einem Workshop mit den verschiedenen Arten der Diskriminierung beschäftigt. Besprochen wurden Formen und Entstehung, sowie Konfliktlösungen der Diskriminierung. Im Anschluss haben wir den Tanzboden verlegt und bis spätabends an der Anfangsszene für die Produktion gearbeitet.

Von Giulia

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Mittwoch, 26.07.17

Heute haben wir endlich den ganzen Tag getanzt. Los ging es nach dem Frühstück mit der Anfangsszene, dem jüdischen Fest und nach dem Mittagessen ging es weiter mit dem Freiheitstanz.

Von Jana

Donnerstag, 27.07.17

Nach dem Frühstück sind wir alle zusammen zum Training gegangen und haben die ersten Durchläufe gemacht und Korrekturen getätigt. Uns ist aufgefallen; wie schwer es ist; gemeinsam einen Takt zu finden und synchron zu tanzen. Nach einigen Proben waren jedoch die Schwierigkeiten behoben und wir konnten beruhigt zum Mittagessen gehen.

Nach dem Mittagessen sind wir nach Krakau gefahren, wo wir uns den Rest des Tages aufhielten. In mehreren Gruppen sind wir durch die Stadt gezogen. Als erstes waren wir in einem super leckeren Burger-Restaurant und haben gemeinsam miteinander zu Mittag gegessen. Daraufhin sind wir in eine Shoppingmall gegangen, haben dort noch etwas eingekauft und sind anschließend noch Eis essen gewesen. Zum Tagesabschluss haben wir noch einen Straßenkünstler beobachtet, wie er die Menge animiert und bespaßt hat. Hinterher haben wir uns alle im Bus zusammen gefunden und sind in die Herberge zurückgefahren.

Von Fabian

Freitag, 28.07.17

Der Tag begann damit, dass wir uns beim Frühstück versammelten und den Tagesablauf durchgingen. Danach fing auch gleich das Training an. Es begann mit der Durchlaufprobe und einzelnen Korrekturen. Dabei ist uns aufgefallen, dass wir noch sehr viel vor uns hatten. Nach der Mittagspause begannen wir mit dem Aufbau. Es musste viel getan werden: der Beamer musste eingerichtet werden und die Instrumente und Kostüme mussten an ihren richtigen Platz gebracht werden.

Nachdem wir alles eingerichtet haben, begannen wir mit der Generalprobe. Diese enthielt noch ziemlich viele Fehler, was aber eigentlich (k)ein gutes Zeichen ist. Kurz vor der Aufführung haben wir noch den Vorhang vor den Umkleideräumen richtig eingerichtet. Außerdem mussten noch die Instrumente gestimmt und die Technik eingerichtet werden. Jetzt waren wir alle sehr aufgeregt. Und dann begann auch schon das große Schminken. Zwischendurch war ein riesiges Chaos ausgebrochen, aber nachdem die Aufführung vorbei war, dachten wir alle, was für ein schöner Auftritt das eigentlich gewesen ist. Wir waren alle sehr froh! Eine große Pizza krönte den Abschluss. Wir saßen alle gemeinsam an einem Tisch, wie einer langen Tafel, auch Herr Hartwig hat sich zu uns gesetzt und noch eifrig mit uns über die Aufführung diskutiert und auch über eine mögliche Fortsetzung dieses Projektes gesprochen.

Hinterher hat Anna gemeinsam mit mir die Videos mit den Ukrainern und Polen gedreht. Berkay hat mit den anderen gemeinsam die Technik und die Bühne abgebaut. Am Ende des Tages saßen wir alle zusammen und haben noch Karten gespielt. Für mich war dieser Tag einer der lustigsten und einer der anstrengendsten. Das erste Mal musste ich mich mit der Technik auseinandersetzen und für alles irgendwie ein offenes Ohr haben. Gleichzeitig bin ich aber froh, dass ich dieses Projekt mitgestalten durfte und bin stolz darauf, dass wir ein so tolles Projekt umgesetzt haben. Ich freue mich schon auf die Aufführung in Wolfsburg und darauf alle wiederzusehen!

Von Fabian

Samstag, 29.07.17

Nach dem Frühstück haben wir zusammen den Workshop ausgewertet. Alle durften die Erfahrungen und neue Erkenntnisse mit der Gruppe teilen. Es wurde betont, dass eine Menge für die Zukunft aus dem Projekt mitgenommen wurde. Uns gefielen besonders der künstlerische Aspekt und die Aufführung, die uns näher zusammen brachte. Wir haben durch den Besuch in Auschwitz einen neuen Blickwinkel auf die Menschenrechte erhalten und schätzen uns glücklich diese Zeit nicht miterlebt zu haben. Für uns alle ist Auschwitz nicht mehr ein ferner Ort aus einem Geschichtsbuch. Die Führung durch Auschwitz hat uns die Distanz genommen und uns mit der Wahrheit konfrontiert.

Nach der Auswertung haben wir unsere Sachen gepackt und in den Bus eingeladen. Für die Busfahrt gab es ein Lunchpaket. Es war schön bei der Verabschiedung den Gedanken an das Wiedertreffen im November im Hinterkopf zu haben. Die zehnstündige Busfahrt war entspannt und es gab keinen großen Stau.

Von Anna

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